Nachrichten zum Hofwiesenpark Gera

Straßennamen Gera - Buch

Ab Freitag 20.11.2020 ist die zweite, von Manfred Otto Taubert überarbeitete, Auflage des Straßennamenbuches „Die Straßennamen der Stadt Gera von A bis Z“ im Handel für 30 Euro erhältlich

Straßennamen Gera

Die Straßennamen der Stadt Gera von A bis Z

Die erste Auflage dieses Buches von Siegfried Mues erschien 2006. Nach kurzer Zeit war es ausverkauft und selbst in Antiquariaten und im Internet ist es schon lange nicht mehr erhältlich. Seit Jahren kam immer wieder die Frage auf, warum erscheint keine Neuauflage. Bei öffentlichen Vorträgen des Fördervereins „Stadtmuseum Gera e.V.“ zu Straßennamen in Gera war eindeutig zu erkennen, dass eine große Nachfrage zu diesem Werk besteht. Aber es ist nicht so einfach, ein derartiges Buch neu aufzulegen. In den vergangenen 14 Jahren hat sich in Gera vieles verändert. Trotz der zahlreichen baulichen Veränderungen entstanden nur selten neue Straßen, da durch das bisherige Straßennetz die Stadt bereits gut gegliedert war. Im Jahr 2006 enthielt das Straßenregister der Stadt Gera 740 Eintragungen, 2020 sind es 761. Ehemalige Fabriken, z.B. die Wema Union, Modedruck und Röntgenwerk wurden abgerissen und auf den Grundstücken entstanden Wohnparks oder die Brachflächen sind für eine Bebauung vorgesehen. Alte Einrichtungen, z.B. das „Fritz-Koch-Heim“, wurden zu Seniorenresidenzen oder Wohnkomplexen des Betreuten Wohnens umgebaut. Die Aufbereitung eines derartigen Buches für eine Neuauflage ist sehr umfangreich und arbeitsintensiv, letztlich müssen alle Einträge auf ihre Aktualität und Richtigkeit überprüft werden. Dazu kommt, dass Hinweise zu notwendigen Berichtigungen überprüft und einzuarbeiten sind. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Autor der ersten Auflage, der pensionierte Direktor des Stadtmuseums Gera, Siegfried Mues, nur bedingt mitarbeiten. Nach zweijähriger intensiver Arbeit liegt nun die zweite Auflage des Buches zu den Straßennamen der Stadt Gera vor. Rund 500 kleinere und größere Änderungen wurden eingearbeitet. Es war eine spannende Zeit. Hinweise von Einwohnern dieser Stadt fanden ebenso ihren Niederschlag wie Rechercheergebnisse im Stadtarchiv und in der Stadtverwaltung. Besonders interessant war eine Akte im Stadtarchiv, die erst kurz vor Redaktionsschluss zugängig war viele neue Aufschlüsse über den Zeitpunkt der Benennung von Straßen gab. Straßennamen spiegeln immer auch Zeitgeschichte wieder und so kompakt wie in diesem Buch sind sie selten zu finden.  

Auszug aus dem Buch zum Hofwiesenpark:

     

Hofwiesenpark (Neu-Untermhaus)

Ab Am Sommerbad bis Küchengartenallee

1636 Obere Hofwiese

1877 An den Hofwiesen

1897 Hofwiesenstraße

11.5.1934 Admiral-Scheer-Straße

30.7.1946 Hofwiesenstraße

4.8.1950 Am Stadion

31.1.2005 Hofwiesenpark

Die Hofwiese, 1636 und 1647 Obere Hofwiese genannt, reichte im Südosten bis an den Anger der Stadt Gera heran und wurde durch das Vorwerk, das spätere Kammergut, in Untermhaus bewirtschaftet. Als der an ihr vorbeiführende Weg zur Straße ausgebaut wurde, erhielt er die Bezeichnung »Hofwiesenstraße«. Als 1934 beschlossen wurde, an der Hofwiesenstraße eine große Stadthalle zu bauen, (das Projekt wurde aber nicht realisiert), benannte man sie am Vorabend des Jahrestages der Skagerrakschlacht von 1916 mit großem propagandistischem Aufwand in »Admiral-Scheer-Straße« um. Die SA-Standarten-Kapelle und der Spielmannszug des SA-Marinesturmbanns zogen früh zum großen Wecken durch die Stadt, hissten auf dem Markt die Flaggen und marschierten anschließend zur Kranzniederlegung am Krieger-Ehrenmal am Theater sowie zur Weihe der Admiral-Scheer-Straße. Aus Hamburg waren eigens Matrosen angereist, die von den Anwohnern aufgenommen werden mussten. Am Abend fand noch eine Gedenkfeier im Palmengarten in der Zschochernstraße statt. Reinhard Scheer (geb. 30.9.1863 Obernkirchen, gest. 26.11.1928 Marktredwitz), am 24.1.1916 als Vizeadmiral zum Chef der Hochseeflotte ernannt, führte dieselbe in der Skagerrakschlacht am 31.5.1916 gegen die englische Flotte. Auf Grund dieser Schlacht, die mit erheblichen Verlusten auf beiden Seiten endete, erkannte Scheer, dass man England nur besiegen könne, wenn man seine Transportund Handelswege blockierte und befahl den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Nach seiner Ernennung zum Chef der Seekriegsleitung und des Admiralstabes am 11.8.1918 plante Scheer ein erneutes Auslaufen gegen die englische Flotte ohne Wissen der politischen Führung, was jedoch durch Gehorsamsverweigerungen auf den Linienschiffen verhindert wurde. 1931 wurde ein schwerer Kreuzer, das Panzerschiff „Admiral Scheer“ auf Kiel gelegt, das am 1.4.1933 seinen Stapellauf hatte und am 12.11.1934 in Dienst gestellt wurde. Das Schiff wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. April 1945 in Kiel von Bomben getroffen und kenterte. Das Wrack wurde im Juli 1946 verschrottet. 1946 wurde die Admiral-Scheer-Straße wieder in »Hofwiesenstraße« umbenannt. Am 3.6.1950 erfolgte der Spatenstich durch Oberbürgermeister Curt Böhme für das Stadion auf den Hofwiesen, das aus Trümmerschutt im Nationalen Aufbauwerk errichtet wurde. Im August wurde deshalb die Hofwiesenstraße in »Am Stadion« umbenannt. Am 17.8.1952 wurde das Stadion mit einem Fußballspiel der Oberligamannschaften Motor Gera gegen Motor Jena (4:2) vor 18.000 Zuschauern eingeweiht. Das 35.000 Zuschauer fassende Stadion wurde erst 1955 fertiggestellt. Am 5.6.1955 erfolgte die Namensweihe in »Stadion der Freundschaft«. 2002 wurde die nach Entwürfen des Briten David Chipperfield, einem Interpreten der klassischen Moderne, entworfene und für 25 Millionen Euro errichtete Landeszentralbank eingeweiht, jedoch bereits 2005 wieder geschlossen. Das Gebäude wird heute von der SRH-Hochschule genutzt. 2005 wurde die Straße Am Stadion nach dem auf dem Gelände der Bundesgartenschau 2007 in Gera entstehenden Hofwiesenpark in »Hofwiesenpark« umbenannt. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Westtangente (s. Gebrüder-Häußler-Straße) wird die bisherige Fernverkehrsstraße verkehrsberuhigt, wieder zurückgebaut und gehört 2007 zum Eingangsbereich der Bundesgartenschau. Die beiden markanten Wohnbauten Hofwiesenpark 13 und 15 werden irrigerweise als „Prinzenhäuser“ bezeichnet. Sie wurden nach dem 1. Weltkrieg unter dem Druck der Wohnungsnot von der Fürstl. Hofverwaltung für Schauspieler und Musiker des Theaters errichtet und werden erstmals 1922 im Adressbuch aufgeführt.

 

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